Wie das Fernsehen nach Italien kam: 

Kapitel 1: Vorkriegsfernsehen:    

Mit September 1939 wurde von der EIAR (Ente Italiano per le Audizione Radiofoniche - später RAI)  am Monte Mario bei Rom ein nach dem 441/50 Standard arbeitender Fernsehsender in Betrieb genommen.

Die Lieferung erfolgte durch die Fernseh GmbH im Dezember 1938.

Eine baugleiche Anlage für Mailand sollte ebenfalls geliefert werden.

 

Der Anlagenaufbau:

 

 

Aufnahmeszene mit der EIAR Senderkennkarte

Seitenansicht der Kamera

 
Mischpult mit 2 eingebauten 50 cm Monitorröhren

 
Verstärkergestelle mit Kontrollmonitore Type DE6 sowie Filmabtaster

 

 

 

 

Der studioseitig recht bescheidene Umfang mit nur einer Kamera und einem Filmabtaster war offensichtlich nur für den offiziellen Start eines Experimentalfernsehens gedacht um in Folge die Abläufe und Publikumsakzeptanz kennen zu lernen. Die Studiotechnik und Sendenorm war bereits als fertig entwickelte Technik importiert worden. Lediglich in der Sendetechnik soll (teilweise?) eigenständige SAFAR (Società Anonima Fabbricazione Apparecchi Radiofonici; Milano) Ausrüstung eingesetzt worden sein. 

Der offizielle Start des Experimentalfernsehens fand am 22. Juli 1939 anläßlich der Radio Ausstellung im Zirkus Maximus statt.

Sendefrequenzen:  40,50 MHz Ton  und 44,00 MHz Bild = 3,5 MHz  B/T Abstand, (Anders als Deutschland mit 2,8 MHz und ident mit England)

Vollständiger Beitrag der FernsehGmbH aus 1939 als PDF (~1,8 MB) zum Herunterladen.  Beachten Sie die unterschiedlichen Netzfrequenzen 42, 45 und 50 Hz! Nachtrag: Wie es letztlich zur 50 Hz Netzfrequenz für Europa kam lesen Sie HIER

Die Testsendungen in Rom sollen bis Oktober also einem Monat nach Kriegsbeginn ausgestrahlt und sogar in London (BBC TV hat mit Kriegsbeginn abgeschaltet) empfangen worden sein. (Practical Wireless, 28th October 1939)

Mit 8. September 1943 soll der Sender wieder von den Deutschen demontiert worden sein – Für welchen weiteren Einsatz? 

Weitere Städte und Entwicklungsstadien in Untersuchung.

Nachtrag:

Das es den Italienern mit dem Fernsehen vor dem Krieg ernst gewesen sein könnte mag dieses Bild von einem Bahnhof an der Strecke Richtung Bologna 1944 zeugen: Eine Radio Werbung von SAFAR auch für Fernsehen-Televisione.

I_1944_Radio_Safar_Advert

 

Kapitel 2. Nachkriegsfernsehen:

Beginn in Triest mit 1954 (Kanal A mit Offset) nach dem CCIR 625/50 Standard jedoch mit anderer Kanalrasterung!   Siehe Normenübersicht. Der Versuchssender arbeitet bereits seit 1951, weitere geplante Senderstandorte werden Mailand, Venedig, Savoia, Bologna, Genua, Ferrara und Spezia sein  [3]. 

Der Vatikan erhielt von Frankreich Anfang der 1950er Jahre einen 819 Zeilen Sender geschenkt, den die Franzosen später wieder auf 625 Zeilen umbauen durften damit der Sender in das europäische/italienische Netz passte.  

 

Später ab 1975 erfolgte die Übernahme des PAL Farbfernsehstandards in Italien zu der Helmut Kohl herzlich gratulierte.

Quellen (Auszugsweise):

  1. A-Der Radiopraktiker Nr. 50/S200 14. Dezember 1957

  2. A-Der Radiopraktiker Nr. 4/S16 23. Jänner 1960

  3. Funktechnik Band 1951 Nr. 2, S. 39 

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