Radiodays -

Österreichische Radio-Spitzenempfänger der 1930er bis 1950er Jahre - Das motorisierte Radio mit "Automatik statt Handschaltung" und mehr

Radione Motoselect 6039 Ingelen Gigant 40W 

Bild: Einstige österreichische Spitzenempfänger mit Festsendertasten und Motorabstimmung. Der Radione Motoselect 6039 und der Ingelen Gigant 40 W. Linkes Bild anklickbar für die Beschreibung!

Eine Übersicht

Einleitung:

Da gab es sie, all die unzähligen Detektorapparate, erste Netzröhrenradios, erste Superhet - Überlagerungsempfänger, die Volks- sowie Deutsche Kleinempfänger bis hin zu den massenhaften mit UKW ausgestatteten "Gebissradios" der 1950er Jahre.

Viel gutes und viel interessantes war hier dabei was bereits manigfaltige eigene Fachbeiträge füllt und noch füllen wird.

Hier aber möchte ich auf die absoluten Spitzenempfänger* jener Epoche eingehen, die vom sprichwörtlichen "Otto wie auch der Ottilie Normalverbraucher" nicht einmal als Wunschobjekt der Begierde zum Kauf in Frage kamen und selbst bei wohlhabenden Bessergestellten letztlich eher selten den Platz ins Heim fanden.

Auf die bereits von mehreren Fachautoren relativ jüngst erfolgte Auseinandersetzung zum Thema der Radiogeräte mit Festsenderabstimmung, mit dem Schwerpunkt auf die Deutschen Hersteller wie auch einem Britischen Gerät sei hier als Vorarbeit verwiesen. Siehe dazu das Quellenverzeichnis!

Viele Modelle der sicher nicht absolut vollständigen Aufstellung werden u.a. hinsichtlich ihrer technischen Klassifizierung vorgestellt und auch technisch mit Bild und Schaltung zum Teil auch sehr umfangreich erläutert.

In jedem Fall ist eine doch relativ umfangreiche Modellpalette dieser speziellen Geräteklasse für Deutschland auszumachen.
Weitere europäische Länder wurden hierfür für diesen Artikel nicht untersucht!

 

* Der Begriff >Spitzenempfänger< bezieht sich in diesem Artikel auf die Besonderheit der Festsender/Motorabstimmung und nicht auf die sonst übliche Klein-/Mittel- und Großsuper Klassifizierung!

Inhalt:

 

  1. Einleitung:
  2. Kundenwünsche
  3. Die damals mögliche technische Umsetzbarkeit
  4. Tabelle - Die in Deutschland hergestellten Motor-und Drucktasten Radios
  5. Tabelle - Aufstellung aller bekannten österreichischen Drucktasten Radios
  6. Der Radione MSWE-MSWU
  7. Der Ingelen Gigant 40W
  8. Die Wartung - Reparatur
  9. Duplex - Die preiswerteVariante der Festsenderabstimmungg
  10. Triplex - Einer geht noch mehr
  11. Nachkriegszeit: Motorantrieb
  12. Nachkriegszeit: Tastenabstimmung
  13. Die neue Zeit nach den Röhren
  14. Gesichtete Quellen und bekannte Literatur

Hier möchte ich aber auf die Geräteklasse eingehen die mittels Sendervorwahltasten, sei es durch anschließende Motorabstimmung erwirkt oder aber mittels mehrerer abstimmbarer und abrufbarer Kreise realisiert die gezielte Anwahl von verschiedenen Radiostationen ermöglichten.

Letztere kann man wiederum in wahlweise der kapazitiven oder induktiven Abstimmung aufteilen.

Heute ist uns das als "Pre-Set", als "Memory" oder eben Festsenderabstimmung bekannt.

Eine grundlegende Technik die in den USA, wo es im wesentlichen "nur" das Mittelwellenband gab, seine zahlreichen Vertreter hatte, während im Vergleich dazu Europa Geräte mit deren Langwellen-, Mittelwellen- und zumeist auch Kurzwellenempfang eine andere weil wesentlich aufwendigere Liga darstellten.

In den USA ging es ab 1930 schon sehr früh mit dem "Lazy Man Tuning", vereinfacht ausgedrückt "Abstimmung für den faulen/bequemen Mann" mit der Senderabstimmung über eine Art Langhubdrucktasten als "Automatic Tuning" z.B. beim Hersteller Zenith los.

Belmont 636 Automatic Tuning Radio Philco Automatic Tuning Radio 1938 Philco Automatic Tuning Radio 1938

Bilder: Frühe Beispiele von USA Herstellern - linkes Bild der Belmont - rechts der Philco mit Drucktastenabstimmung bei Radiogeräten. Philco spendierte gar eine Erinnerungsmünze/Werbetoken für diese 1938er Modelle

 

Auch die deutsche Radioindustrie bot hier schon seit den 1930er Jahren verschiedene Modelle diese Kategorie an, wie hier nur AUSZUGSWEISE angeführt der 1939er Jahre Sachsenwerk Olympia mit Festsendertasten, die Siemens Kammermusikschatulle 76W von 1937, der 1938 Philips "Aachen - Super D58 AU" mit Motorwähler, sowie ab 1954 der SABA Freiburg-Automatic mit Motorabstimmung davon zeugen.

Kundenwünsche:

Und dies waren die Kundenwünsche und Bedürfnisse die damals die Verkaufsexperten wie auch Entwicklungsingeneure beschäftigten:

Waren anfänglich nur wenige zudem leistungsstarke Sender verläßlich und in brauchbarer Qualität empfangbar, so steigerte sich deren Anzahl aber auch das Erfordernis der Trennschärfe schon fast im Monatsrytmus der 1930er Jahre.

Der Bau des Senders Wien-Bisamberg mit seiner Inbetriebnahme 1933 darf hier durchaus als Referenz dazu gelten.

Die Wahl eines Senders war folglich per

 

Bei wiederholtem Neuabstimmen an einem Radioabend (Fernsehen gab es ja noch nicht) war dies mitunter doch etwas aufwendig und vielleicht auch als unnötig und lästig empfunden worden.

So lag es nahe, den Teil der immer gleichen Sendersuche und der korrekten Abstimmung darauf einmalig festzulegen und beliebig wiederholbar und automatisiert ablaufen zu lassen.  


 

Die damals mögliche technische Umsetzbarkeit in den 1930er Jahren:

Schaltbare feste Abstimmkreise

Festsendertasten durch die per Tastendruck vorabgestimmte Schwingkreise aufgerufen werden konnten.

Dazu sind jeweils unterschiedlich voreingestellte Vorkreise sowie Oszillatorkreise, an die Empfangsröhre z.B. der EK3 durch manuellen Tastendruck ausgelöst zugeschaltet worden.

Vorteil: Beliebte Sender konnten einfach und rasch aufgerufen werden. Eine automatische MW/LW/KW Bandwahlzuordnung war gegeben.

Nachteil: Die Suche nach einem neuen Sender wurde schwierig, da die Abstimmeinheiten kaum Möglichkeit für eine Zuordnung der eigentlichen empfangenen Frequenz zuließen. 

AEG-Super 679WK Tastenaggregat

Bild: Die AEG 679WK Druckknopfbelegbarkeit - Eingeschränkte Frequenzbereiche je Taste!

Vielfach war dies dem Radiomechaniker vorbehalten der mitunter einen Spezialschlüssel für die Einstellung benötigte. Nicht jede Taste war frei abstimmbar, sondern einem Band oder einem Frequenzbereich zugeordnet.

 

   Mende Abgleichschlüssel

Bild: ...und ganz am Ende, da gab es noch den Mende...; Ein mit nur 0,75 RM leistbares Schlüsselereignis zum Einstellen der Vor- & Oszillatorkreise

Automatische Sendersuche per Motorantrieb

Noch keinen Senderspeicher, jedoch eine automatische Sendersuche mit ebensolcher automatischen Senderscharfstellung hatten manche Geräte eingebaut.

Die manuell ausgeführte Funktion des drehens per Hand am Abstimmknopf des Radios wurde durch einen Tastendruck bzw. einer Wippbewegung per Fingerberührung ersetzt.

Der Abstimmzeiger samt dahinter verkoppeltem Drehkondensatorantrieb (mitunter auch einer Induktivität) fuhr nun den nächsten Sender per Auswertung der Signalstärke an und konnte ihn durch nachstellen mittels Motor, aber auch durch Reaktanzröhren die die Kapazität des Schwingkreises veränderten nachstimmen. Was einer frühen Version einer AFC - Automatischen Frequenz Abstimmung nahe kommt.

Vorteil:

Das Gerät führte den Abstimmvorgang selbsttätig durch

Nachteil:

Die extra erforderliche Umschaltung des Bandes LW-MW oder KW blieb. Ebenso das manuell nötige weiterschalten bis eben der endgültig gewünschte Sender hörbar wurde.

Eine Speicherung bis auf den jeweils letzten eingestellten Sender gab es keine.

Gerätebeispiel ist der Saba 980WLK aus 1937/38

Das Non-Plus-Ultra:

Eine automatische Senderabstimmung per Programmtastenvorwahl UND der freien individuellen motorunterstützten automatischen Sendersuche für neue Sender.

Hier wurde also elektrisch und/oder mechanisch voreingestellt wohin der Motor nach dem Aufrufen der entsprechenden Taste laufen sollte.

Also anfahren der Mittelwellenfrequenz von z.B. 592 kHz, korrekter angegeben damals auf 507 m für den Sender Wien.

Ebenso hatte das Gerät Tasten für den wahlweisen links-rechts Lauf an der Skala für die freie Sendersuche samt automatisch tätiger Feinabstimmung wenn gewünscht.

Gerätebeispiele:

Ingelen Gigant 40W (ohne Scharfstellung)

Radione 6038 (mit Scharfstellung)

Vorteil:

Rasches Wiedergeben der gewünschten Sender mit zumeist automatischer Scharfstellung von selbigen

Nachteil:

Das Gerät "wusste nichts" und fuhr immer die vorprogrammierten Positionen an auch wenn dort kein oder kein damals mehr erlaubter Sender zu empfangen war. 

 

Exkurs:

Ab 1965 gab es mit dem japanischen National-Panasonic Radar Matic R-1000, gar ein tragbares Transistorgerät dass diese Funktion des automatischen Suchlaufes mittels mechanischem Federwerkaufzug bewerkstelligte was aber eine andere Geschichte ist.


 

 

Tabellenaufstellung der in Deutschland hergestellten Radiogeräte mit Motorabstimmung und/oder Festsendertasten!

 

Bild Herstellerland Jahr Marke Modell Besonderheit      
AEG Super 679WK  Deutschland  1939/40  AEG 

Super 679WK

 
5 Röhren, 6 Festsenderdrucktasten, 290 RM, ECH11 EBF11 ECL11 AZ11 EM11       
Blaupunkt 11W78 Deutschland 1938/39 Blaupunkt 11W78 sowie Paralleltypen 11W79, 11 Röhren, 6 Drucktasten, autom. Scharfstimmung, Fernbedienbar(!)      
Blaupunkt 7W79D  Deutschland  1939/40  Blaupunkt  7W79D  6 Röhren, 9 Drucktasten, autom. Scharfstimmung, Fernbedienbar(!); 345 RM;   EF11 ECH11 EBF11 EFM11 EL11 AZ11       
Bluapunkt 8W79  Deutschland  1939/40  Blaupunkt  8W79 & 8W79S 8 Röhren, 9 Drucktasten, autom. Scharfstimmung, Fernbedienbar(!); 415 RM;   EF11 ECH11 EBF11 EF11 EM11 EBC11 EL12 EZ12      
Blaupunkt 6W640  Deutschland  1940/41  Blaupunkt  6W640  5 Röhren, ECH11 EBF11 EL11 AZ11 EFM11       
Graetz 51WT 51GWT  Deutschland  1939/40  Graetz  Tastensuper - Druckknopf-Schnellwähler,  51WT & 51GWT 5 Röhren, 317/329 RM; 6 Festsender MW, 2 LW Festabstimmung;  ECH11 EBF11 EL11 AZ11 EFM11 oder ECH11 EBF11 CL4 CY1 EFM11      
Körting Transmare 39 Deutschland 1937/38 Körting Transmare 38, SB7440W 12 Röhren, Motorabstimmung, 20 Stationstasten, (Auch als Schatulle erhältlich)      
Körting Transmare 39W Deutschland 1938/39 Körting Transmare 39W 11 Röhren, Motorabstimmung, 20 Stationstasten, 820 RM,      
Körting Amatus 40WK-D  Deutschland  1940/41  Körting 

Amatus 40 WK-D / Amatus 40 GWK-D

 
 6 Röhren, (aus Saison 1939/40), 6 + 2 Festsenderabstimmtasten, Röhren: W: ECH 11, EBF 11, EM 11, EF 11, EL 11, AZ 11/  GW: ECH 11, EBF 11, EM 11, EF 11, CL 4, AZ 1       
Körting Dominus 40WK Deutschland 1939/40 Körting Dominus 40WK 12 Röhren, 10 Festsenderstationstasten, autom. Nachstimmung      
Kramolin Druckknopf-Automat 53 Deutschland 1928/29 (!) Kramolin Druckknopf-Automat 53 5 Röhren, 20 Stationstasten, kapazitive Abstimmung zugeschaltet,      
Mende Grosssuper 595 Deutschland 1938/39 Mende Grosssuper 595 6 Röhren, 9 Festsendertasten.      
Mende 216 WDK Deutschland 1939/40 Mende 216WDK 6 Röhren, 6 Sationsdrucktasten per Schlüssel einstellbar.      
Mende 240WDK Deutschland 1939/40 Mende

Super MS240-WDK

6 Röhren, 6 Sationsdrucktasten per Schlüssel einstellbar.      
Mende MS330WDK Deutschland 1939/40 Mende Groß-Super 330 WDK 6 Röhren, 6 Stationsdrucktasten per Schlüssel einstellbar, 330 RM, ECH11 EBF11 EF11 EL11 EM11 AZ11      
Nora Dux II Deutschland 1939/40 Nora Dux II W89 7 Röhren, Motorantrieb, 8 Stationstasten, 495 RM, EF13 ECH11 EBF11 EF11 EM11 EL12 AZ12      
Philips Aachen Super D58 Deutschland 1938/39 Philips Aachen-Super D58 8 Röhren, Motorabstimmung, 8 Festsendertasten.      
Philips 855X Deutschland 1939/40 Philips 855X & 905X aus 40/41 6 Röhren, 6 Blitztasten m. Schiebekondensator; EF8 ECH3 EF9 EBL1 EFM1 AZ1      
Saba 980
(!) Type 960 - Fronthebel fehlt! 
Deutschland 1937/38 Saba 980WLK 11 Röhren, Nur Motorantrieb-keine manuelle Abstimmung, keine Festsendertasten!      
Sachsenwerk Olympia Deutschland 1939/40 Sachsenwerk Olympia 405W 4(!) Röhren, Nur 8 Festsenderstationen - siehe Artikel!      
Siemens 94W  Deutschland 1939/40 Siemens Kammermusik-Kassette 94W 6 Röhren, 6 Festsender über Drehkondensatorabstimmung      
Telefunken D860WK  Deutschland 1939/40 Telefunken D860WK 7 Röhren, 9 Drucktasten für zwei LW Sender und sieben MW Sender, Festkreise, hohe Frequenzstabilität,      
                 
  Großbritannien 1939 Ekco PB510 "Radio-Brain" 5 Röhren, Motorabstimmung mit 8 Stationstasten f. MW & LW,      
HMV 1104  Großbritannien    HMV 

 1104

2 LW & 3 MW Festsendertasten,        

Sachsenwerk Olympia 405W Senderabstimmung

 

Bild: Der Sender Wien war gleich gar als Referenz der Abstimmanleitung beim Deutschen Sachsenwerk Olympia 405W angeführt! Fairerweise gehört dieser Radio eigentlich nicht in obige Aufstellung da es letztlich nur ein einfacher preisgünstigerer Empfänger war.

 

Nicht in obiger Aufstellung, aber dennoch zu erwähnen ist der 1935er "Hagenuk Nordmark-Super W" der per "Telefonwählscheibe" die Frequenz anwählbar hatte. Jedoch ohne Motor und ohne Festsender.

Von relevanz in den Augen von uns Technikern, auch wenn wir das Festland Europa verlassen, muss der Britische All Wave - Motor-Controlled EKCO PB510 "Radio-Brain" - also "Radio-Gehirn" oder "Radio-Gedächtnis" sein, dessen Motorantrieb von EKCO in einer recht breiten Modellpalette ab 1938 angeboten wurde.

Dazu gehörten die Konsole C511, PB505, RG516, PB515, PB289, PB199, PB189, RG489, sowie etliche weitere Modelle mit "nur" Festsendertasten ohne Motorantrieb.

Inwieweit ab 1939 all diese Geräte auch noch zur Fertigung kamen steht auf einem anderen Blatt.

Nicht nur die gute technische Gerätebeschreibung sondern auch und insbesondere des Teils der Motorabstimmung in der zeitgenösischen Literatur im "Trader Service Sheet 684" in Kombination einer sehr guten Gerätedokumentation durch Herrn Harald Giese auf RM.org [7] lassen uns das Gerät näher kommen.

Insbesonders die mit den Festsenderdrucktasten mitprogrammierte und folglich ebenso automatisch mitdurchgeführte BANDWAHL machen das Gerät um das gewisse etwas noch praxistauglicher und komfortabler.

Dem Liberalismus folgend, lassen sich sechs MW Sender sowie zwei LW Sender natürlich vom wahlberechtigten Nutzer auch selbst frei nach belieben belegen.

    


 

 

Spitzengeräte aus Österreich der 1930er Jahre

 

Kommen wir nun In Medias Res des eigentlichen Artikelthemas.
Ich möchte daher in diesem Beitrag nur soweit es die Verständlichkeit erfordert die Technik erläutern und im wesentlichen auf die
österreichischen Besonderheiten eingehen!

Ein bekannter Vertreter ist bis in unsere Tage, der, besser muß man sagen "die" Ingelen Geografic Rundfunkempfänger mit der ganz besonderen Länderskala die sogar als Lizenzprodukt von der polnischen Firma "Capello" in ebenso schönen Modellen in der Zwischenkriegszeit eingesetzt wurde.

Auch im Baltikum in Lettland, bei VEF gab es den VEFSuper Lux mit der Ingelen Skala!

Ingelen Geographic Werbung 1936 Radione Motoselect 1936 Werbung

Bild: Spitzengerät zumindest vom Auftritt mit der einzigartigen zum Teil gar farbigen Länderskala - Die Ingelen Geographic Radioserie.

Die Kernidee hatte man nicht alleine: Radione kontert mit einem Tastendruck für (fast) jedes Land. (Radione MotoSelect Werbung Dezember 1936)

 

Geräte aus Österreich (einschließlich der Zeit des "Anschlusses")

Wiewohl die österreichische Radioindustrie sehr export orientiert war, wenngleich durch die politischen Rahmenbedingungen dies mitunter gar buchstäblich an Grenzen stieß, gab es relativ gesehen nur wenige Modelle dieser speziellen Spitzenklasse aus unserem Land.

Interessanterweise stieß ich bei meinen Recherchen auf die nicht unerhebliche Präsenz "unserer" Marken wie etwa Eumig, Radione aber auch Zerdik am Rumänischen Radiomarkt der Zwischenkriegszeit! Genau dort findet sich auch ein Sammler zum Radione MotoSelect.

Radione Moto-Select Werbung 1936 Radione MotoSelect Werbung 1936

Bild: Beispiel einer Radione Werbeschaltung in der rumänischen Zeitschrift "Radio-Universul" 1936/37 sowie in Radio-Wien/Österreich im September 1936

 


Sehen wir einmal auf das was wir hier aus Österreich kennen:

Mit meinem Wissensstand von 2022 haben sich lediglich die vier österreichischen Radiohersteller Hornyphon, Ingelen, Minerva sowie Radione an dieses etwas spezielle zudem aufwendige und damit teure Nischenthema in der Zeit der Massenarbeitslosigkeit (1935: 320.000 Arbeitslose) und der politischen Instabilität herangewagt.

Das ebenso angeführte Fabrikat von Zerdik dürfte zum Einen ein reiner Hornyphon sein. Zudem ist 1940/41 dessen tatsächliche Fertigung überhaupt in Frage zu stellen.

Die Hersteller Czeija, Eumig, Kapsch, Philips und Telefunken boten keine lokal hergestellten Geräte dieser Art an.


 

Tabelle - Aufstellung der Radiogeräte mit Drucktasten wie auch Motorabstimmung

Nach Marke und Baujahr gelistet

 

Bild Jahr Hersteller Modell Bemerkungen
Hornyphon Olympic 39 1938/39 Hornyphon Olympic 39W

W564A(U)
8 Röhrengerät; 10 Drucktasten, Motorantrieb, 440 RM/ EK3 EF9 EAB1 EF6 EM1 EL3 EL3 AZ4 sowie sein Gleichstrom/Allstrommodell
Hornyphon Rex 39 1938/39 Hornyphon Rex 39 Mototip,

39W W544A
auch als  Rex 39GW W544U
5 Röhrengerät, 10 Drucktasten, Motorantrieb, 340 RM/ EK2 EBF2 EL3 AZ1 EM1; U Version mit Wechselrichter!
Hornyphon 347A  1941/42  Hornyphon  347A & 347L 5 Röhren, 8 Festsendertasten - 6 x MW, 2 x LW, ECH11, EBF11, EF11, EL11, AZ11 (Exportgerät) bzw. UCH11, UBF11, UFM11, UL12, UY11 
Ingelen Gigant 40W 1939/40 Ingelen Gigant 40W 8 Röhrengerät, Motorangetrieben mit 10 Festsendertasten; 538 RM; ECH11 EBF11 EB11 EF11 EM11 EL11 EL11 AZ11
Ingelen 640W 1939/40 Ingelen

640W

7 Röhrengerät, sonst wie Gigant 40W; ECH11 EBF11 EB11 EF11 EM11 EL11 AZ11,
Ingelen 641W  1940/41  Ingelen  641W  7 Röhrengerät, sonst wie Gigant 40W; höhere ZF, ECH11 EBF11 EB11 EF11 EM11 EL11 AZ11, tasächliche Fertigung ungesichert
1940/41 Minerva  416WD 6 Röhren, 8 mech. Festsendertasten, indukt. Abstimmung, ECH11 EBF11 EF11 EL11 EM11 AZ11
Radione Moto-Select 1936(!)/37 Radione AutoSelectEmpfänger Wechselstrom ASE-W (MSE-W = MotoSelect Empfänger-W) oder ASE-U - Allstrom

7 Röhren Gerät mit 20(!) Festsendertasten, Motorantrieb, autom. Scharfstellung. 840/910 öS, AK2 AF7 AB2 AF3 ABC1 AL4 AZ1, oder ASE-U CK1 CF7 CF3 CBC1 CL4 AZ1 C3  

Radione 6038A-U 1937/38 Radione Motoselect 6038A bzw. U 8 Röhren Gerät mit 20(!) Festsendertasten, Motorantrieb, autom. Scharfstellung, 578 RM; EF9, EK2, EF6, EF9, EAB1, EF6, EL5, EZ4 & 2 x WX6 Halbleitergleichrichter! Auch mit EF5 EK2 EF5 EF5 EB4 EF6 EL5 EZ4 bekannt.
Radione 6039A-U 1938/39 Radione Motoselect 6039A wie Typ 38 jedoch  andere Knöpfe 8 Röhren Gerät mit 20(!) Festsendertasten, Motorantrieb, autom. Scharfstellung, 578 RM; EF9, EK2, EF6, EF9, EAB1, EF6, EL5, EZ4, Fernbedienbar (!)
Zerdik Z 347 A  1941/42  Zerdik 
 Z 347 A & Z 347 L
= HORNYPHON 347 A bzw. L
 
5 Röhren, 8 Festsendertasten - 6 x MW, 2 x LW, ECH11, EBF11, EF11, EL11, AZ11 (Exportgerät) bzw. UCH11, UBF11, UFM11, UL12, UY11
 

Grobe Klassifikation:

Obige Aufstellung läßt sich, bezogen auf unser Thema der Art der automatischen Abstimmung wie folgt klassifizieren:

Festsenderabstimmung OHNE Motor

Lediglich der Minerva 416WD besitzt eine herkömmliche Empfängerschaltung, bei der wahlweise schaltbare Induktivitäten ohne weiterer Kompensation wie einer Reaktanzröhre anstelle der ebenso möglichen handbetriebenen Drehkondensator Abstimmung die Frequenzen und damit die eingestellten Sender vorgeben.

Es kann ohne Detailkenntnis nur vermutet werden, das eine entsprechende Auswahl an temperaturstabilen bzw. sich durch Selektion gegenseitig aufhebender Kondensatorendrifts die erforderliche Langzeitfrequenzstabilität gewährleisten.

Festsenderabstimmung MIT Motorantrieb

Alle anderen Fabrikate haben einen Motorantrieb, der auf einer Art Scheibe die Stationen "programmiert", also wahlweise seitens des Herstellers fest verdrahtet oder vom Radiomechaniker bei der Auslieferung durch setzen der Kontaktreiter voreingestellt hatte.

Der Motor dann je nach Tastendruck den daran mechanisch verkoppelten Drehkondensator in die gewünschte mechanische Stellung brachte, die im Idealfall der gewünschten Empfangsfrequenz entsprach.

"Verfuhr" sich der Motor wenn auch nur um wenige Minutengrade dann hörte man natürlich nichts außer rauschen, bzw. eine fehlabgestimmte Station.

Abhilfe schuf hier die Möglichkeit des "Nachziehens" des Oszillators mittels einer automatischen Scharfabstimmung mit einem "Ziehrohr" oder "Schubrohr", uns besser als Reaktanzröhre bekannt.


 

Radione AutoSelect ASE-W oder ASE-U (Allstrom) auch als MotoSelect MSE-W (U) bekannt aus der Saison 1936(!)/37

  Radione MotoSelect Werbung 1936 Radioen 6039A MotoSelect

Bild: Der ERSTE Radione AutoSelect bzw. MotoSelect aus 1936 (!) sowie sein übernächstes Nachfolgemodell der 6039A; Anklicken für den Werbetext!

Gemäß eigener Definition aus dem Radioprospekt von 1938, war Radione am Europäischen Kontinent der erste, der sich bereits zwei Jahre zuvor, also schon 1936 an das Experiment der Motorabstimmung mit automatischer Scharfstellung gewagt hat.
Vorgestellt wurde er auf der Wiener Herbstmesse vom 6. bis 13. September 1936!


Es scheint etwas dran zu sein, Geräte finden sich nicht gerade häufig. Auch die Auflistung Deutscher Geräte beginnt zum Thema Motorantrieb erst 1937 mit dem Körting Transmare!

Es fing also mit dem Radione AutoSelect ASEW (bzw. MotoSelect MSEW) mit dem A Röhrensatz bzw. für die Allstromvariante bestückt mit dem C Röhrensatz an.

Gleich 20(!) Drucktasten, wohl etwas zuviel des Guten, erwarten einem an der Front, was das Gerät, denkt man sich die Skala weg, als Telefonvermittlungskasten ausmachen läßt. Auch die Art der Verkabelung im Gerät und die hohe Zahl an Schaltern lassen in diese Richtung schließen.

Die Vermutung das für diesen Teil der Schaltung Telefon-Nachrichtentechniker und nicht Radiomechaniker mitgewirkt haben läßt sich schwer leugnen.

Dies mag ein Grund für die Komplexität der Automatisierung sein, die sich hier ganz auf die Elektromechanik konzentrierte, aber auch ein mögliches scheitern "normaler" Radiomechaniker in späteren Dekaden an einem solchen Gerät annehmen läßt.


Für den Autor liegt diese Klasse in den technischen Detaillösungen eine oder gar zwei Etagen höher als beim nachstehend beschriebenen Ingelen Gigant 40.

Als Herzstück dieser Technik dient klarerweise der (Gleichstrom-)Motor, sowie das zugehörige Schaltrelais.
Hinzu kommt die hier stattfindende Interaktion der Abstimmung mit der Radioschaltung für eine Scharfabstimmung des Oszillators, jedoch keines automatischen Suchlaufes!


Vorweg:

Bei diesem Gerät und seinen beiden Radione Nachfolgern lassen sich die Festsender nicht frei wählen. Jede Taste ist fest mit dem zugehörigen Segmenten verlötet. Dazu später.

"Ahnenforschung" bei Radione:

Zwar war der Motorantrieb sowie die Tastenfunktion tatsächlich neu.

Und dennoch hatte Radione bereits erste praktische Serienerfahrungen mit der Schaltungstechnik der Auswertung der Sender-Signalfeldstärke über die bekannten Feldstärkeanzeigen hinaus wie auch den dazu benötigten Relaisaufbau gesammelt.

Mit einer Schaltung die "Das Gerät nach Sendeschluß automatisch abschaltet" um die Röhren zu schonen wie auch um Strom zu sparen.

Radione Radio mit Ausschaltrelais Radione Ausschaltrelaismodul 1934

Bild: Werbeschaltung für den Radione OS-W/R & OS-A/R sowie dem "Relaismodul"

Konkret handelt es sich um das 1934/35er Modell Radione OS-W/R & OS-A/R, wobei >R< für Relais steht mit dem diese Geräteserie wahlweise ausgestattet werde konnte. Im Chassis zu erkennen am Einbau knapp hinter dem Drehkondensator.

Hinzu kommt, dass dieses Nachrüstmodul auch in jedes 4 Röhrenfremdfabrikat eingebaut werden konnte!

 In diesem Themenrahmen möchte ich dieses Gerät im Detail nicht weiter erläutern. Eine gute Systembeschreibung, siehe Quellenangaben, und insbesonders deren Funktionsnachteile lassen einen eingeschränkten Erfolg dieser Idee festmachen [17].

Man darf sie aber als Lehrjahre für die weiteren Entwicklungsschritte (Mehrfunktionsrelais) sehen die zum Motoselect den Weg weisten.  

  

Der elektrische Aufbau:

 

Zuerst betrachten wir den elektrischen Aufbau der für den Automatik Modus relevant ist:

Für unser heutiges Verständnis etwas unorthodox gelöst ist die Stromversorgung dieser Funktion.

Radione MSEW Netzteil

Schaltungsauszug: Netzteil und Motor- sowie Steuerbeschaltung beim Radione MWSE / ASWE. Anklicken für die etwas besser verständliche 6039A Industrieschaltungsdarstellung

Die eigentliche Spannungsversorgung



Die AZ1 liefert bekannterweise die Anodenspannung, mit dem 25µF Ladeelko sowie dem 30µF Siebelko zur Versorgung des Radiochassis.
Somit dient hier die Anodenspannung, zudem netzgetrennt, durch Umschaltung WAHLWEISE für den Radiobetrieb ODER dem Motorlauf!

Halbkreisförmig angeordnet finden sich die ca. 160 Messingfahnen, die sei es durch zusammenlöten oder eben durch die darauf wirkenden 19 Tastschalter einen zweifach geteilten elektrischen Kontakt ergeben.

Je nach Stellung des Kontaktabgreifers mit positiver oder negativer Spannung beschaltet für den wahlweisen links- oder rechtslauf des Motors.  


Im Stromkreis, hier auf der Minus Ebene eingezeichnet, finden wir in Serie die Tastenhaltespule(n) >T< die mechanisch im Bedienteil mit den 20 Tasten verortet sind.
 
Es folgt ein Hauptrelais >R< an dessen Anzapfungen parallel die Spulen eines Hilfsrelais >H< sowie der Gleichstrommotor versorgt wird. Im Ruhezustand dieser Parallelkreis jedoch elektrisch nicht geschlossen ist!

Tabellarisch dargestellte Abfolge der Abstimmung: (Zum besseren Verständnis am Beispiel des 6039A Nachfolgemodels erklärt (Keine Feldspule)
       
Normalradiobetrieb: Die Tastenhaltespulen sind über die beiden parallelliegenden Öffnungskontakte des Haupt wie auch Hilfsrelais überbrückt.        
       
       
       



Das heiße elektrische Ende des Hauptrelais >R< ist elektrisch über die Feldspule des elektrodynamischen Lautsprechers >Feld 900 Ohm< gegen Masse verbunden.

Befindet sich das Radio im Normalwiedergabebetrieb, dann ist >3< am Schließkontakt des Hauptrelais >R< geschlossen, und die Feldpule wird mit der Anodenspannung von angenommen 250 Volt mit rund 30 mA durchflossen und läßt somit den Lautsprecher sein Magnetfeld aufbauen und entsprechend die NF wiedergeben.

Anwahl eines Festsenders

Das Radio ist nun betriebsmäßig eingeschaltet und arbeitet z.B. auf Mittelwelle. Nun wird eine der 19 Vorwahltasten am 20 knöpfigen Bedienteil per Fingerdruck betätigt.

Zur 20. roten Taste rechts unten siehe später!


Im Folgenden wird der automatische Abstimmmodus für eine Reihe von Frequenzen aus einer Liste von 19 voreingestellten Sendern kurz beschrieben wofür ich mich in loser und frei interpretierter Abfolge an Übersetzungen aus dem Text des rumänischen Sammlerkollegen von proradioantic.ro bediene.
Herr Gelu-Marius Popescu war zudem dankenswerterweise bereit seine persönlich gemachten Erfahrungen mit seinem Nachfolgemodell, dem Radione 6038A mit mir und damit Ihnen als Leser zu teilen.
Siehe seine eigene Gerätevorstellung unter den Quellenverweisen!


Der Skalenmechanismus und der Rotor des Drehkondensators werden von zwei rechtsseitig versenkt angebrachten Bakeliträdern angetrieben. Einem von vorne betrachtet Grobtrieb sowie dahinter liegend dem Feintrieb, die über einen Untersetzungsmechanismus miteinander verbunden sind.

Sie können wahlweise manuell oder automatisch-motorisch betätigt werden.
 
Wenn an einer voreingestellten Position der Abstimmung kein Festsenderabstimmknopf gedrückt wurde oder wenn eine automatische Senderanwahl bereits beendet wurde, dann kann eine manuelle Abstimmung durchgeführt werden.

Radione MotoSelect 6038A Drucktastenfeld Radione MotoSelect Drucktastenfeld

Bilder: Aufbau des 20fach Drucktastenfeldes; ©2022 Herr Gelu-Marius Popescu, Danke für die Bildspende
Es handelt sich um verkupferte Stahlscheiben. Deren Auftreffen auf den sichtbaren verkupferten Eisenschienen schließt den Stromkreis der beiden miteinander verbundenen Halterelais/Haltemagneten für die Tastensperre der 19 Festsenderteasten bis zur Beendigung des Motorlaufes.


Das Konzept des automatischen Positionswahlmodus basiert auf der Unterteilung der möglichen Winkelpositionen des Drehkondensator-Rotors in etwa 160 Kontaktpunkte (Messingfahnen), die äquivalent auf einem Halbkreis angeordnet sind.

Von diesen Kontaktpunkten ist nur eine bestimmte Anzahl mit der Festsendervorwahltastatur verbunden, entsprechend den Voreinstellungen für bestimmte Frequenzen (Sender) die der Hersteller vorgegeben hat.

Wenn eine Taste gedrückt wird, um eine dazu definierte voreingestellte Position anzufahren, hält die Tastenhaltespule >T< (zwei sind zusammengeschaltet) den Tastendruck fest, während das Hauptrelais >R< nebst seiner elektrischen Schaltfunktionen die Achse des dann angelaufenen Elektromotors mechanisch innenliegend mit dem Handabstimmrad (Feintrieb) verkoppelt.
Die Drehbewegung für das Anfahren der vorbestimmten Position wird so wie beim Handabstimmbetrieb benutzt.

Zusammen mit der Achse des Drehkondensators bewegt sich auch der Schieber bzw. Positionsabgreifer, was dazu führt, dass die elektromagnetischen Relais abfallen, wenn der Schieber die Kontaktlamellen erreicht hat, die der gedrückten Taste entsprechen, d. h. die Position, die der voreingestellten (verlöteten) Position entspricht.

Gemäß Herrn Gelu-Marius Popescu: "Im Schaltplan aus "Empfänger Schaltungen der Radio Industrie, S.186" ist ein Halbkreis mit vier Kontakten symbolisiert. Praktisch gibt es so viele Kontakte auf dem Halbkreis, wie es programmierte Positionen gibt (19), von denen jede eine Winkelposition bestimmt.
Alle anderen Winkelpositionen, die nicht von Interesse sind, werden zwischen ihnen gekreuzt, um die Kontinuität der in diesem Halbkreis angeordneten Schaltung zu bestimmen.
Dies ist der Grund, warum es so viele Lötkontakte gibt."


Dies ist die grundlegende Beschreibung des automatischen Abstimmmechanismus zu einer voreingestellten Skalenposition.

Die Schaltungstechnik des Radioteils



Auch die Schaltungstechnik des eigentlichen Superhet's folgt einem etwas aufwendigeren Ansatz:

Um eine möglichst stabile Abstimmfrequenz zu ermöglichen, ist im Gerät eine Glimmlampe, Typ Osram 210-240, zur Stabilisierung der Oszillatorspannung sowie der nachgeschalteten Pentode AF7 verbaut.

Das Gerät besitzt eine automatische Scharfstellung des Oszillators die nach dem erfolgreichen Anfahren einer der 19 Abstimmpositionen zu einem Sender nach dem Wiedereinschalten des eigentlichen Radioteils in Tätigkeit tritt und dauerhaft in Funktion bleibt.

Was das Gerät nicht besitzt, das ist eine Abstimmanzeigeröhre oder ein ebensolches Instrument oder einen Schattenanzeiger.

Handabstimmung:

Die 20. zudem rot gefärbte Taste rechts unten ist die >HAND< Taste, die man während der herkömmlichen manuellen Abstimmung drücken kann um die sonst störend die Abstimmung beeinflussende automatische Scharfabstimmung während des Abstimmvorganges abzuschalten.

So wird eine Frequenzverwerfung und ein störendes Nachziehen während eines manuellen Abstimmvorganges auf einen Sender vermieden, die so wie wir es viele Jahre später bei der UKW AFC kennen diese auf Dauer der Abstimmung wegschaltet.

Hier wird die ebenso je nach Abstimmsituation leicht positive wie auch negative Nachstimmspannung der Scharfstellung aus der Duodiodenröhre AB2 bzw. auch schon Halbleitergleichrichterdioden kommend gegen Masse gelegt was ein selbsttätiges Arbeiten der Nachstimmschaltung unterbindet.

Stummschaltung:
 
Parallel wird beim MSEW/MSEU/ASEW/ASEU die Anode der NF-Endstufe mit einem 0,1µF Kondensator wohl zur Dämpfung der Lautstärke, insbesondere der hohen Rauschtöne während des Handabstimmvorganges gegen Masse gelegt.
Die Modelle 6038A und 6039A haben diese Funktion nicht mehr ausgeführt,



Die Funktion der automatischen Scharfabstimmung im Betrieb:


Die Funktion wird in der deutschsprachigen Literatur zur "Die Abstimmautomatik der Industrieempfänger" auszugsweise erläutert, weshalb ich sie zum besseren Verständnis hier übernehmen möchte:

Radione Autoselect Motoselect Scharfabstimmung Radione Autoselect Motoselect Scharfabstimmung

Bild: Schaltungsauszug zur automatischen Scharfabstimmung aus dem Radione MSE-W sowie MSE-U, letzterer bereits mit Halbleiterdioden WX6 ausgeführt, so wie bei seinen Nachfolge Modelltypen MotoSelect 6038A & 6039A

Funktion:

Diese Nachstimmspannung kann nur in einem symmetrierten Gleichrichterkreis gewonnen werden, dessen Gleichgewicht durch die Verstimmung sich nach der positiven oder negativen Seite verschiebt.

Die Abbildung oben benützt hierfür zwei Diodenstrecken mit je einem Zwischenfrequenzkreis, von denen einer gegenüber der normalen Zwischenfrequenz um +4kHz, der zweite um -4kHz verstimmt ist (Die Daten stammen vom Körting Transmare, Radione mag leicht abgewandelte haben!).

Körting Transmare Scharfabstimmung - AFC

Schaltungsauszug: Von Körting Transmare zum besseren Verständnis der Scharfabstimmspannungsgewinnung (AFC) [Industrieschaltungen aus dem Funktechnischen Ringbuch]

Der Gleichrichter für die Nachstimmspannung ist dem Zwischenfrequenzverstärker nachgeschaltet.

Bei einem Sender, der eine positive Verstimmung besitzt, wird der Kreis mit der plus Abweichung eine größere Spannung erhalten und eine dementsprechende Spannung U1 erzeugen.

Im gleichen Maße nimmt die Spannung am Kreis mit negativer Verstimmung ab und U2 ist entsprechend kleiner. Da beide Spannungen gegeneinander gerichtet sind und die Spannung U1 jetzt überwiegt, erhalten wir gegen den Massepol eine erhöhte negative Vorspannung.

Bei entgegengesetzter Verstimmung würde U2 überwiegen und wir erhielten eine positive Spannung gegen den Massepol.

Bei richtiger Abstimmung des Senders erhalten beide verstimmten Zwischenfrequenzkreise die gleiche Spannung und U1 hebt sich gegen U2 auf.

Die AF7 arbeitet hier als Reaktanzröhre: Eine Änderung der Steuergitterspannung läßt die Anode in den Oszillatorkreis hinein eine kapazitive Beeinflussung durchführen.  

Die Radione Nachfolgemodelle 6038A und 6039A arbeiten nach dem gleichen Prinzip, besitzen jedoch einige geänderte Feinheiten in den Schaltungsdetails wie auch der Abkehr vom Hochbauprinzip, hin zum Breitbau sowie einen nun Permanentmagnetischen Lautsprecher[].

Mit Stand 2022 war Radione 1936 tatsächlich der Vorreiter in sachen Motorantrieb mit Scharfabstimmung und "mit einem Doppeldiskriminator ausgerüstet in Europa, und hatte einen Motor mit Permanentmagnet, wodurch das Problem des Hin- und Rücklaufes des Motors auf einfache Weise gelöst wurde. Der „Motoselekt“ (MotoSelect) wurde zum Prototyp für viele nachfolgende Konstruktionen europäischer Radiofabriken." (Siehe auch Deutsche Modelle) []


Bekannte Verbreitung:

Mitunter gab es wohl Gründe sich schon kurz nach der Anschaffung zum stolzen Preis von öS 840,- Schilling wieder von einem MotoSelect, zudem gar billigst*, zu trennen.
 
Radione Motoselect, gebraucht um 840 billigst abzugeben

Bild: Zeitungsanounce 1937 aus dem >Neues Wiener Tagblatt< vom 23. Mai 1937

*"Billigst" im heutigen Sinne von preiswert/preisgünstig

RM.org weist einen sogar mit Prüfanhänger versehenen MSE-W Nr. 383 vom 14.10.1936 aus.

Ein in Deutscher Sammlerhand befindliches Model MSE-W weist als Seriennummer "508" auf.

Vorsichtig geschätzt gab es folglich eine Erstauflage des Erstmodells mit vielleicht 1.000 Stück für die Wechsel- wie auch Allstromausführung.
Als Vergleich dazu dienen die kolportierten 50.000 Geräte des immer noch massenhaft angebotenen R2. 

Verbleibende Fragen:


Der Ingelen Gigant 40W

Ingelen Gigant 40W

Bild: Ingelen Gigant 40W Großsuper mit Festsendertasten und Motorantrieb

Motorisiert war man nun nicht mehr nur mit dem Kraftrad oder gar Automobil auf den Straßen unterwegs sondern auch im heimischen Wohnsalon!

In ähnlicher Liga war der Ingelen Gigant 40W aus der Saison 1939/40 sowie sein baugleicher Bruder der 640W mit einer Endstufenröhre weniger.

Hier kriegsbedingt schon nur mehr schwerpunktmäßig für den Exportmarkt wie etwa der Schweiz und nicht mehr für heimische Normalkäufer gedacht gewesen.

Als mögliche angedachte Käuferschicht sehe ich zudem eher auch Veranstaltungsräume, Gaststätten, Parteilokale u.ä. die mit der 2 x EL11 Leistungspentode an zwei ebensolchen Lautsprechern selbige Räume auch beschallen konnten. Dabei handelt es sich aber nicht um eine Gegentaktendstufe sondern um zwei getrennte NF Eintaktendstufen!

Ein 8 Röhrengerät, Motorangetrieben und mit "nur" mehr 10 Festsendertasten zuzüglich 2 Tasten für die direkte Motoransteuerung im Suchbetrieb.

Funktionsanalyse:

Betrachten wir den Schaltungsablauf beim Gigant 40W, den wir dank der überlieferten Literatur uns nur von der Motorabstimmung her betrachten brauchen.

Denn Radio-Schaltungstechnisch findet mit Ausnahme einer Stummschaltung der Endstufen während des Suchlaufes keine Interaktion zwischen der Motorabstimmung und dem Rundfunkteil, wie etwa einer automatische Scharfstellung statt.

 

Ingelen läßt uns im überzeugenden Ton hierzu gemäß den Reparaturunterlagen aus 1939 wissen:

"Die Genauigkeit der mechanischen Motorabstimmung ist so groß, daß sich der Empfänger auch ohne selbsttätige Feinnachstimmung beim jedesmaligen Drücken des betreffenden Knopfes genau auf die Trägerfrequenz einstellt".

Aus der Ingelen Service Bauteileaufstellung liest man nur die Empfehlung im Servicefall Ingelen Bauteile zu verwenden. Einen Hinweis, das es sich um selektierte temperatur kompensierende Kondensatoren handelt finden wir nicht!

Wie funktioniert nun der Teil der Motorabstimmung?

Ingelen Gigant 40W Motorabstimmung

Bild: Die Motorabstimmung des Ingelen Gigant als Schema (Buch: Industrieschaltung)

  • Ingelen Gigant 40W Motorabstimmung elektrisch

  • Bild: Zugehörige elektrische Beschaltung zur besseren Übersicht (Ingelen Schaltung). Anklicken für die zum möglicherweise besseren Verständnis dienenden Funktechnik Darstellung.

    Betrachten wir hierzu die in verschiedenen Varianten erhältliche schematische Darstellung der Funktionen.


    Anmerkung: Einmal Danke an alle Sammlerkollegen die über verschiedenste Kanäle die Schaltungen, Prospekte und Beschreibungen zur Verfügung gestellt haben.

    Ohne diese rasche und einfache Zugänglichkeit wäre mir diese Art Artikel anzufertigen nicht möglich.

    Dabei ließen sich auch gleich Fehler im Schaltplan im Bereich der Spannungsveursorgng der Endstufe finden, was aber hier nicht von Bedeutung ist.


    Systemaufbau der Motorsteuerung:

    Wir sehen, das nach dem einpoligen Einschalten des Geräts an das Netz die in Serie geschalteten Statorwicklungen L31/L32 des Motors dauerhaft über zwei parallel geschaltete Kondensatoren C57/C58 an Spannung liegen.

    Die Versorgungsspannung beträgt dabei über die hier primärseitige Spartrafoschaltung gewählt immer 220V unabhängig der tatsächlichen gewählten bzw. anliegenden Netzspannung.

    Der Motor steht somit vormagnetisiert sofort in "Bereitschaft".

    Der Netztrafo liefert sekundärseitig über eine symmetrische Verlängerung der mittig an Masse liegenden 6,3 V Heizspannungswicklung, 8 V Wechselspannung als Speisepannung (von mir hier folgend als Steuerspannung bezeichnet) für den Motorlauf.

    Diese Steuerspannung gelangt über ein rückstellbares Schutzrelais >SCHR<, auch Sicherugsautomat bezeichnet an die Schleifringe >S1< und >S2< die wiederum mechanisch mit der Drehkondensatorachse verkoppelt sind. Dazu später mehr.

    Von dort gelangt diese Steuerspannung an eine geteilte und gegeneinander isoliert mit dem Unterbrecherisolierstück >U< versehen angebrachte Kollektorscheibe >KO< an denen die verstellbaren 10 Stück Reiter >R< bzw. Kontaktabgriffe befestigt sind.

    Diese Reiterabgriffe gelangen an das 10 fach-Tastenaggregat, deren gemeinsamer Ausgang im Schaltzustand wiederum, je nach Stellung der Reiter auf der geteilten Kollektorscheibe nun mit wechselspannungsmäßig +90° oder -90° Phasenlage auf die Motor-Statorwicklung über L30/L29 gegen Masse gelangt was wiederum die Drehrichtung entscheidet.

    Aufrufen einer Festsendertaste:

    Drückt man nun eine Festsendertaste der ein voreingestellter Reiter am Kollektorring zugeordnet ist, dann schließt sich der Steuerstromkreis und der Motor beginnt in Abhängigkeit der Ausgangsphasenlage gegen Masse sich wahlweise nach links oder rechts zu drehen.

    Dabei wird er, elektromagnetisch angetrieben, auch in der Motorachse selbst axial verschoben, sprich nach hinten gedrückt, was einmal das kraftschlüssige schließen einer mechanischen Kupplung >K< an die >T.K< Triebknopfübersetzung (Handabstimmrad) vollziehen läßt.

    Gleichzeitig werden die Kontakte des Federpakets >F< gegen Masse geschlossen was einmal die Endstufenstummschaltung bewirkt, und ebenso das >F.R< Festhalterelais beim Tastenaggregat auslöst, dass die bereits gedrückte Taste sperrt sowie (von mir angenommen möglicherweise) die anderen Tasten vor einem versehentlichen Drücken schützt.

    Dieses verhindert das zusätzliche Drücken einer weiteren Festsendertaste was je nach Stellung der Abstimmung zum Kurzschluß der 8V Steuerspannung führen könnte.

    Als Ausnahme, wo diese Sicherungsfunktion noch nicht greift mache ich den jeweiligen Erstmoment aus, bei dem theoretisch zwei Tasten gleichzeitig von "Klavierspielern" betätigt werden könnten.

    (Hätte der Autor damals so ein Gerät gehabt, dann hätte er ungeachtet des Alters es auch wissen wollen)

    Hier greift für den Fall, daß die Tasten je einen Reiter auf der +90° sowie auf der -90° Phasenlage des Kollektors durchschalten und damit die 8V~ am Trafo kurzschließen, das bereits beschriebene >SCHR< Schutzrelais, auch als Sicherungsautomat bezeichnet an.

    Das rückseitig, durch Tastendruck  wieder zurückgestellt werden kann.

    Der Motor betätigt dabei die Drehkondensatorachse so lange, bis die Unterbrecherstelle >U< zwischen der geteilten Kollektorscheibe übereinstimmend zum zugeordneten Reiter erreicht ist und kein Strom mehr fließen kann.


    Die Sendersuche per Motorbetrieb:

    Am Tastenaggregat befinden sich am jeweiligen linken wie rechten Ende eine Pfeiltaste, deren Betätigung den Drehkondensator von einem Bandende zum anderen laufen läßt.

    FOLGT 

    Bild: Tastenaggregat mit den Pfeiltasten links und rechts

    Auch diesen Tasten ist je ein Reiter am jeweils äußersten Ende des linken wie auch rechten Kollektors zugeordnet, die zudem laut Beschreibung NICHT versetzt werden sollten.

    Im Prinzip hätten auch diese Reiter dem jeweils letztempfangbaren möglichen Sender an den beiden Bandenden zujustiert werden können um damit zwei weitere Festsenderspeicher zu erhalten.

    Hier wäre dann die Taste wieder durch wegnehmen des Fingers zu lösen wenn der Abstimmanzeiger in etwa im gewünschten Frequenzbereich angelangt ist.

    Für die Bereiche LW und KW hätte man dann im Einzelfall über dieses "Bandende" hinaus mechanisch per Hand weiterdrehen müssen wenn man denn dort einen neuen "Exoten" gesucht hätte.

    Da diese Suchfunktion ja jederzeit unterbrochen werden soll, nehme ich an, dass das Festhalterelais hier zwar ebenso elektrisch arbeitet, jedoch mechanisch die Taste nicht festhält, da es ja sonst kein stoppen bei entfernen des betätigenden Fingers geben würde. 

    Erst dann wäre der Sender bzw. ein Rauschen bei nicht korrekter Abstimmung zu hören und kann mit dem herkömmlichen >T.K< Triebknopf per Hand der Sender nach Gehör wie auch nach der Anzeigeröhre feineingestellt werden.


    Nur eine Halbautomatik?

    Was hier nicht verkoppelt ist, das ist die ebenso erforderliche Bandwahl zwischen gar 5 Bändern: LW, MW, KW und 2 x UKW was aber lediglich einen erweiterten AM Kurzwellenbereich bis 64,5 MHz (4,8 m) darstellt und was man als "vorbereitet" für einen zukünftig möglichen Fernsehtonempfang (nach Deutscher Vorkriegsnorm) werten darf!

    Es ist also mehr eine "Halbautomatik" bei der nach wie vor der "Gang" also eines von 5 Bändern manuell vorgewählt werden musste, und lediglich ein "automatisiertes Kuppeln" in Form des Abfahrens der Skala erfolgte.

    (!) Eine wirklich automatische Motorsendersuche mit Scharfstimmung hat dieses Gerät schaltungstechnisch NICHT, was abgesehen von der Komfortfunktion mit den Festsendern lediglich das Handabstimmen so etwas vereinfacht bzw. verkürzt.

    Ob die möglichen Käufer diese Details erkannten und als kaufauslösend ansehen konnten? Oder die Vorteile der Modelle des Wettbewerbs kannten und dann wechselten?


    Vorteil für die damalige Zeit:

    Ab 1939 galten ja im Deutschen Reich, zu dem bekanntlich bis 1945 auch Österreich gehörte die besonderen Maßnahmen zum Rundfunkempfang was ein "Feindsender hören" unter Strafe stellte.

    Bei dieser Gerätetype war somit das automatische unabsichtliche Auffinden eines "Feindsenders" nicht möglich, was den Hörer sonst u.U. in Bedrängnis hätte bringen können.

    Die Festsender konnten ja umprogramiert werden wenn nötig.

    Vergleiche hier mit dem Deutschen SABA 980WLK, der ja keine Festsendertasten hatte und automatisch bei jedem Sender stoppte. Das auch bei Radio Moskau oder der BBC da die AM Rundfunkwellen ja technisch alle gleich waren!

    Das änderte sich nach 1945 naturgemäß wieder, sofern diese Geräte zuvor nicht dem "Einkassieren" durch die sowjetische Besatzungsmacht (Frühe Befehle gleich nach der Einnahme) oder in Deutschland dem verpflichteten Ausbau der automatischen Sendersuchfunktion zum Opfer gefallen sind.


    Die Wartung - Reparatur

    Wir sind hier nachvollziehbarerweise weit weg vom Niveau eines Volksempfängers oder anderer mit Standardschaltung versehenen uns bekannten Geräte jener Tage.

    Das gilt nicht nur für uns heute, sei es Hobbyelektroniker oder beruflich vorbelasteter, sondern auch für die damaligen Radiomechaniker die beileibe nicht jeden Tag so ein Gerät in die Hände bekamen.

    Und selbst wenn, dann mitunter auch damals an deren Komplexität scheitern konnten.

    Komplex sowohl elektrisch, waren doch mitunter einmal mehr spezielle temperaturkompensierte Kondensatoren im HF Schaltkreis eingesetzt, aber auch mechanisch.

    Zudem mechanisch wie elektrisch die Beschaltung des Motors für die Störfreiheit aber auch der Anlaufschaltung bis hin zu dem nicht unerheblichen mechanischen Details was das Spiel wie auch die Freigängigkeit betraf und eine möglichst große Wiederhol bzw. Auffindbarkeit zu garantieren war.

    Die Krönung wird zudem die Ausführung als Gleichstromgerät für die damals in Wien noch häufigen Gleichspannungsnetze mit einem vorgeschalteten Zerhacker dargestellt haben, da die Motoren häufig in Wechselstromausführung waren.

    Verharzte Lager bei Motorantrieb und Umlenkrollen waren sicher auch damals nicht "wartungsfrei".

    Ingelen Gigant 40W Service

    Textauszug aus dem Ingelen Gigant 40W Serviceblatt: Oder, der besser hört, der besser schmiert!


     

    Die Gerätepräsenz am Markt:

    Eher selten wird dieses Modell, stand 2022, und wenn dann zu Mondpreisen angeboten. Preise zwischen 1.000 und 1.500 Euro wurden lt. RM.org in den letzten 10 Jahren tatsächlich erzielt. 

    Nebst mechanischen Reparaturen wie schmieren und reinigen werden auch die Motorkondensatoren 0,35µF und 0,45µF zwingend getauscht werden müssen (Achtung: Keine Netztrennung!)

    Offene Fragen die ich ohne direkten Zugang zu dieser Gerätetype nicht selbst beantworten kann:

    1. Wie gut funktionierte die Wiederkehrgenauigkeit wirklich?

    2. Machte das manuell betätigte motorgetriebene Fahren einen Sinn oder beließ man es dann beim manuellen Abstimmen gleich bei der Handabstimmung?


    Der Hornyphon Rex 39 Mototip, Modell Rex 39W,  Typ W544A

    Hornyphon Rex 39

    Bild: Der Hornyphon Rex 39

    Das Gerät, wenn auch aus der Saison 1938/39 stammend ähnelt sehr dem obig beschriebenen Ingelen Gigant 40W.

    Bzw. darf aus der zeitlichen Abfolge heraus angenommen werden, das Ingelen auf gleiche Patente bzw. Lizenzen zugeriffen haben dürfte.

    An Radioschaltungstechnischer Besonderheit haben wir lediglich die damals aufkommende Sparschaltung zur Reduzierung des Stromverbrauches von 55 auf 32 Watt durch verringerern der Anodenspannung zu verzeichnen.

    Eine Bandbreitenumschaltung im 1. ZF Filter vor der EBF2.

    Eine Scharfabstimmschaltung gibt es keine.

    Somit fährt auch hier der Motor "im Blindflug auf die vorgegebene Position ohne zu wissen was ihn dort erwartet".

    Dafür aber gibt eine EM1 Abstimmanzeigeröhre.

    Motorabstimmung beim Hornyphon Rex 39A

    Bild: Schaltungsauszug des Netzteils für die Motorabstimmung beim Hornyphon Rex 39A

    Über die Kollektorscheibe können 10 Sender per Tastendruck angefahren werden.

    Ein manuell auslösbarer links-rechts Motorlauf für das vereinfachte Anfahren einer Skalenposition wie beim Ingelen Gigant 40 ist hier nicht vorgesehen.

    Der Motor ist ein Wechselstrommotor der primärseitig an der 220 Volt Anzapfung des Netztrafos in Sparschaltung angeschlossen ist um auch bei 110 Volt Netzen o.ä. arbeiten zu können.

    Über einen 0,8µF Kondensator wird der Motor nach dem doppelpoligen Einschalten des Geräts auf "Bereitschaft" gebracht.

    Anders als beim späteren Ingelen Gigant 40W wird hier die ebenso symmetrisch an einer Mittelanzapfung gegen Masse geführte Steuerspannung die um die 8 Volt beträgt über eine 4 A Glasrohrsicherung, angebracht vor dem Abstimmautomat, dem Steuerkreis sowie der 2. Motorwicklung je nach Drehrichtung in der Phase liegend zugeführt.

    Schaltrelais und sonstige Feinheiten sind keine eingezeichnet. Die Blockade der weiteren Festsendervorwahltasten dürfte hier nur mechanisch erfolgen ohne einem elektromagnetischen Hilfshalterelaismagneten.

    Das Schwestermodell Hornyphon Rex 39GW, W544U für den Allstrombetrieb hat einen Zerhacker vorgeschaltet und ist ansonsten gleich aufgebaut.

    Bezogen auf die Festsenderabstimmung und dem Motorantrieb ist der 8 Röhren Super Hornyphon Olympic 39W W564A sowie sein Allstrompendant im Aufbau ident.

    Unterschiede finden sich u.a. im NF Bereich wie auch die ZF.


    Vorteil:

    • Einfacherer Aufbau, geringere Fertigungskosten,

    • Senderempfangsfrequenzen sind vom Radiotechniker veränderbar

    • Abstimmanzeige vorhanden

    Nachteil:

    • Keine manuell gesteuerten Motorfahrten möglich

    • Keine automatische Scharfabstimmung

    • Keine automatische Bandwahl

    • Im Fall der Überlastung des Steuerkreises durch Fehlbedienung ist ein Radiotechniker für den Sicherungstausch erforderlich.

     


     

    Die Radio-Nachkriegszeit in Österreich - Das neue UKW Band ab 1953 fordert zusätzlichen Komfort

    Deutschland begann bekanntlich bereits 1949 mit dem UKW Rundfunk. Österreich hinkte mit der Einführung 1953 etwas hinterher, ersparte sich aber gemäß einer Aussage des Hornyphon Chefverkäufers die "Kinderkrankheiten" des Systems zu denen u.a. für UKW nur bedingt geeignete HF Verstärkerröhren sowie Schaltungsarten wie der "Pendler" gehörten.

    Bezogen auf unser Thema der "Senderspeicher" bot diese neue UKW Technik in bestimmten Fällen automatisch den Komfort gleich mit:

    Nachrüstung von AM Radios

    Als Sonderlösung gab es hier die nachgerüsteten UKW Tuner mit einem seitlich oder hinten am Gerät eingebauten Abstimmrad, häufig auch ohne sichtbarer Skalenteilung.

    Minerva 374 aus der Saison 1936/37

    Bild: Der Minerva 374 aus der Saison 1936/37 zeitgenössisch (nachgestellt) nachgerüstet mit einer Minerva UKW-Box mit eigener Abstimmung (Bildspende: Josef H.) Anklicken zur Chassisansicht!

    Schaltete man z.B. über die modifizierte Phono Taste von MW auf UKW um, so war auch hier der zuletzt eingestellte UKW Sender voreingestellt und sofort abrufbar.

    In der eleganten Version gab es dies als fertig kaufbare UKW Einheit (Siemens UKAWETTE) auf die vom Hersteller der dazu passende AM Empfänger Siemens Rondo Super 555 gestellt wurde.

    Alternativ konnte man dies mit jedem AM Radio mit dem baugleichen Siemens WSW UKW-Untersatz-Super 547U auch selbst durchführen.

    Der Preis von öS 690,- Schilling beinhaltete eben dann den Komfort eines UKW "Festsenderspeichers". Eine MW/UKW Eumig Eumigette die zudem schon mehr dem UKW Klangerlebnis herankam kostete zum Vergleich nur öS 990,- Schilling.

  • Siemens WSW UKAWETTE UKW-Super 555U

  • Ebenso per Schalter bzw. Knopfdruck ertönte der hier eigenständig abgestimmte UKW Sender ohne das nach dem Sender erneut gesucht werden musste.


     

    DUPLEX: Die preiswerte Variante eines "Senderspeichers"

    Nicht wirklich in unsere hier beschriebene Klasse gehörend, da preisgünstig und letztlich damals schon sehr häufig verbreitet und keiner speziellen elektrisch-elektronischen Schaltungstechnik bedürfend, waren die mit "Duplex" bezeichneten Radiogeräte der 1950er Jahre.

    Zumeist ausgeführt als "Gebissradios" alias "Klaviertastenaggregate" versehen, die jeweils eine Umschaltmechanik für das Handabstimmrad getrennt für den AM Bereich wie der Mittelwelle und dem "neuen" UKW Bereich besaßen.

    Noch waren nicht alle bisherigen AM Sender auf Mittelwelle ihren neuen Plätzen auf UKW gefolgt bzw. neue UKW Programme wurden nicht mehr auf MW aufgeschaltet (Drittes Programm).

    So bot es sich an, z.B. das Zweite (Nationale) Programm auf Mittelwelle eingestellt zu haben, während Österreich Eins (mit Regionalbezug) auf UKW ebenso dauerhaft abrufbar blieb.

    Soferne man keine weiteren Empfangsbedürfnisse hatte konnte man mitunter damit sein auslangen finden. 

    Als Modellbeispiel sei hier das Empfängerprogramm der Radione Gerätefamilie, wie auszugsweise der "Radione Duplex Register" genannt. Oder etwa der Siemens 3-D UKW Super Bariton, 564 W (1956).

    Radione Duplex Register S 

    Bild: Der Radione Duplex Register S der Saison 1956/57 - Anklicken für Radione Werbetextauszug [Quelle: Hifi-Archiv]

    Lesetip: Zur Einsichtnahme und dem besseren Verständnis für die Österreichischen (Wiener) Empfangsmöglichkeiten in den Jahren 1930 bis 1960 lesen Sie diesen Beitrag des Autors !


    Triplex - Es geht noch einer mehr! 

    Als ein auf dem österreichischen Markt einziges Gerät bot der Hersteller Ingelen auf der Wiener Herbstmesse 1956 seinen UKW-Fidelio 57 3D mit der neuen Triplex Abstimmung an was ihn wiederum zu einem Spitzengerät der Sonderklasse macht.

  • Ingelen UKW Fidelio 57

    Bild: Werbeblatt zum Ingelen UKW Fidelio 57 3D mit der Triplex Funktion für bis zu drei "Festsender". Anklicken für das Datenblatt!

    Nebst der bereits obig beschriebenen "Duplex" Funktion, hier nochmals verfeinert per Planetengetriebe realisiert, besaß das Gerät eine Zusatztaste "Lokal" für, wie der Name sagt, dem Aufrufen eines lokalen AM Senders wahlweise im Bereich LW/MW aber auch KW.

    Folglich konnte das Gerät durch rein mechanischen Tastendruck die jeweils damit zuletzt abgestimmten drei "gespeicherten" Sender, davon einen UKW sowie zwei in AM per Tastendruck wiedergeben.

    Technisch geschah dies durch einen zusätzlichen Abstimmdrehkondensator, der per Taste eben zu- bzw. weggeschalten wurde und der über einen eigenen Abstimmknopf, angebracht über dem Lautstärkeregler zu betätigen war.

    Ingelen UKW Fidelio 57 Triplex

    Bild: Schema der Ingelen UKW Fidelio 57 Triplex Abstimmung - Anklicken für die Bauteileansicht

    Der Preis mit öS 3.180,- machte das Gerät, das es ein Jahr später dann als Ingelen Fidelio Luxus Super 3D mit Halbleitergleichrichter gab, zu einem ebensolchen Luxus, von dem die umfangreichen Klangeinstellmöglichkeiten, der 3D Klang aber auch die drehbare Ferritantenne nebst besagter Triplex Abtimmung zeugen.


    Nachkrieg: Motorantrieb

    Geräte mit Motorantrieb österreichischer Nachkriegsfertigung sind mir bis dato nicht bekannt geworden, wenngleich die österreichische Radioindustrie sonst auf der Höhe der Zeit war. Da in Österreich die UKW Einführung mit dem Fernsehen relativ gesehen zeitlich zusammenfiel, sah man möglicherweise keine entsprechenden Absatzchancen ohne den jeweils anderen Markt zu "kanibalisieren" sprich die Kaufkraft dort abzuziehen.

  • Saba Freiburg Automatic

    Bild: Der deutsche SABA Freiburg Automatic mit Motorantrieb (auch fernbedienbar)

    Hierfür muß wieder auf unsere deutschen Nachbarn auszugsweise mit dem Luxusgerät SABA Freiburg Automatik sowie den Grundig 4040W, 5040W und 5050W ab 1954 verwiesen werden. Diese Geräte hatten zudem alle schon UKW.


    Nachkrieg: Tastenabstimmung

    Was noch zusammen mit den frühen Autoradios ab etwa 1952 auch in Österreich mit den Erzeugnissen der Fa. HEA (Houben-Elektro-Akustik) oder Philips aufkam, das war das Tastenaggregat, bei dem eine Hubbewegung nebst Bandwahl und Nachführen des Skalenzeigers üblicherweise eine Vorabstimmung der Induktivitäten (Permabilitätsabstimmung) durchführte.

    Wiewohl also bekannt, hat sich diese Technik im Nachkriegs-Heimradiogerätebau in Österreich nicht durchgesetzt.

    Dazu schrieb unser ehemaliger mittlerweile leider verstorbene Radiobote Redakteur Herr Fritz Czapek in seinem Kompendium zur Firmengeschichte von HEA auszugsweise frei zitiert [20]:

    In der Saison 1951/52 wurde der ASKD 52 Autoradio mit Drucktastenabstimmung erstmals vorgestellt mit 6 Stationstasten, wovon 5 frei mit MW Sendern belegbar waren.

    Die 6. Taste dann die Wahl der KW Bänder freigab.

    Daraus folgte das bisher für Österreich einzigartige Gerät, sowohl in Design wie auch Technik, der HEA Premiere 53, in dem das besagte Tastenaggregat mittig integriert wurde.

    HEA Premiere 53 Drucktastenradio

    Bild: Der HEA Premiere 53 Heimradio mit einer etwas exotischen Röhrenbestückung und fünf frei abstimmbaren MW Sendertasten nebst Skalenabstimmung. ©Bildspende dankenswerter Weise von unserem Sammlerkollegen Herrn Heigl zur Verfügung gestellt [21]

     

    Über Geschmack läßt sich bekanntlich streiten.

    Ein wirtschaftlicher Erfolg blieb dem Modell jedoch versagt.

    Bei zudem gar rund öS 2.000,- Schilling Kaufpreis in Kombination einer für Österreichische Verhältnisse eigenwilligen Gehäuseform sowie gar 10 (!) Bedienelementen an der Front dürfte es mögliche Käufer wohl mehr verwirrt denn überzeugt haben. Auch Techniker wurden mit US Röhren anstelle bekannter "Hausmannskost" ein wenig irritiert.

    Hinzu kam, das HEA zu diesem Zeitpunkt am Radio-Heimgerätemarkt noch keinen ernstzunehmenden Namen hatte. 


     

    Die neue Zeit nach den Röhren

    Erst ab den 1960er Jahren sind dann auch in Österreich Geräte mit Halbleiter-Diodenabstimmeinheiten und Mehrfachtastenwählern auf den Markt gekommen, was aber dann schon einen Techniksprung beschreibt den wir hier nicht weiter ausführen wollen.

    Der Minerva Stereo 655 als Röhren/Halbleiterhybrid aus 1964 mit drei UKW Festsendertasten mag dafür ein Stellvertreter sein.


    Gesichtete Quellen und bekannte Literatur:

    1. Archiv Scheida

    2. Radioschau, Heft 10, Oktober 1956 zu Messevorstellungen & Gerätevorstellung Ingelen Fidelio Triplex durch Chefingeneur Dipl. Ing. Karl Kontrus

    3. Radiobote, Heft 74, 2018, Gerätevorstellung Ingelen Fidelio

    4. Fortschritte der Hochfrequenztechnik, Band 1; auf den Seiten 343 ff. Autor des dort abgedruckten Artikels "Die moderne Empfängertechnik" ist R. Moebes, Berlin-Tempelhof. Das Buch wurde 1941 in Leipzig vom Verlag "Akademische Verlagsgesellschaft Becker & Erler Kom-Ges." herausgegeben.

    5. RM.org Artikel von Dietmar Rudolph (†) aus 12/2021; Die Abstimmautomatik der Industrieempfänger bis ca. 1941

    6. RM.org Artikel von Harald Giese: Telefunken D860WK - Technische Beschreibung und Reparatur aus dem Juni 2021

    7. RM.org Artikel, Juli 2021, Harald Giese zu "Radio - Brain", die Drucktastenabstimmung des EKCO PB510 sowie Parallelgeräte

    8. Radio-Universul; 27. Dezember 1936 3. Jänner 1937 (Rumänien) bei Arheologie Tv 10.0

    9. Radione Prospekt 1938 by Hifi-Achiv

    10. Schaltungen bei Elektrotanya

    11. Ingelen Originalreparaturunterlagen zum Gigant W40 (3Seiten) beschreibung

    12. https://www.proradioantic.ro zum Radione Autoselect 6038A von Herrn Gelu-Marius Popescu; abgerufen am 31.7.2022

    13. https://www.radio-bastler.de/forum/showthread.php?tid=11097 zum Radione Autoselect

    14. Radio-Katalog 1940-1944; Abgerufen am 5.8.2022 von https://fdocuments.net

    15. https://www.zwettl.gv.at/Sowjetische_Besatzung (zu Radio abliefern), abgerufen am 5.8.2022

    16. ER-Handel, Heft 4/1965 zur Geschichte von Radione; abgerufen bei https://regiowiki.at/wiki/Radione am 21.8.2022

    17. Fortschritte der Funktechnik, Handbuch der Funktechnik 8, Stand Mai 1940

    18. Radio Wien, 13. September 1936, Heft 51, Werbung, Abgerufen bei Anno

    19.  https://www.radiomuseum.org/r/radione_oswr.html, Beschreibung zur automatischen Abschaltung nach Sendeschluß;

    20. Heft: Firmengeschichte "HEA", Ein Sonderdruck der Zeitschrift RADIOBOTE, 2015

    21. Radiosammlerwebsite von Herrn Heigl: https://www.radio-ghe.at; Abgerufen am 20.9.2022

     

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    Letzte Überarbeitung: 23.09.22